Perspektiven und Ergebnisse der Veranstaltungsreihe #lassunsreden 2015

Die Jugend als eigenständige Lebensphase mit spezifischen Chancen und Herausforderungen markiert den Leitgedanken für die Ausgestaltung einer Eigenständigen Jugendpolitik. Sie muss eine Politik für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein, muss unterschiedliche Lebensentwürfe, Lebenswelten und Bedürfnisse anerkennen, respektieren und fördern.

Dieser Herausforderung stellt sich die JUST - Jugendstiftung Sachsen gemeinsam mit örtlichen und überörtlichen Akteuren der sächsischen Kinder- und Jugendhilfe. An dieser Stelle möchten wir unsere Ergebnisse und Perspektiven für eine Eigenständige Jugendpolitik in Sachsen vorstellen.

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Einmischen, Bewegen, Verändern 2015

Das ist das Ergebnis der Veranstaltung Einmischen - Bewegen – Verändern 2015!

7 Projekte wurden vorgestellt und 7 Projekte konnten gefördert werden. Themen sind unter anderem Umwelt und Recycling, Theater Kunst und Kultur, Aktions- und Deeskalationstraining Projektideen mit und für Migrant_innen sowie Urban Gardening. Im folgenden möchten wir die umgesetzten Projekte dokumentieren.

Die Aktion wird im Rahmen des Projektes #lassunsreden-JUGENDZEIT durchgeführt und gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz.

Geförderte Projekte im Rahmen der Reihe Einmischen, Bewegen, Verändern 2015

„Nia Domo“

Das Projektteam aus Argentinien, Brasilien und Deutschland

Mit Unterstützung der JUST (Programm „Einmischen. Bewegen.Verändern“) konnte im Zeitraum von April bis September 2015 das trilaterale Umweltprojekt "Nia Domo" in Kooperation mit den Partnervereinen des AJZ Chemnitz e.V. in Argentinien und Brasilien durchgeführt werden.

Im April wurde mit den vorbereitenden Baumaßnahmen auf dem Gelände begonnen und der verwilderte Kräutergarten des Alternativen Jugendzentrum wiederbelebt sowie die Baufläche vorbereitet. In Kooperation mit verschiedenen Chemnitzer Vereinen und Einrichtungen wurde ein Großteil der Recyclingmaterialien für den Bau besorgt und die Fläche für den Bau vorbereitet.

Im August 2015 wurde im AJZ während einer 18-tägigen Begegnungsmaßnahme mit insgesamt 25 Jugendlichen im Alter von ca. 16 bis 26 Jahren aus den drei Partnerländern als Probeobjekt ein „Earthship“-Gewächshaus gebaut. Der Zuschuss der Jugendstiftung wurde für den Kauf von Baumaterialien, Werkzeugen, die Anmietung von Geräten bzw. Maschinen sowie die Anleitung der Vorarbeiten durch Fachpersonal genutzt. Das Projekt verfügte über eine sehr gute Presseresonance und es wurde von verschiedenen Seiten Interesse an einer Besichtigung und dem weiteren Ausbau des Projektes im Jahr 2016 bekundet, so dass auch der Nachhaltigkeitsaspekt der Maßnahme als gesichert gelten kann.

Refugee Welcome Kickerturnier

15 Kickertische aus Chemnitzer Jugendzentren finden den Weg in die Chemnitzer Innenstadt

Kicker wird überall auf der Welt gespielt. Deswegen veranstaltete das AJZ Chemnitz gemeinsam mit dem Netzwerk Flucht und Migration Chemnitz am 10.07. 2015 ein Kickerturnier für Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete und alle anderen Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger. Mehrsprachige Flyer und Einladungen wurden über Netzwerkpartner an die Menschen in Flüchtlingsunterkünften und in Jugendeinrichtungen der Stadt verteilt. Die insgesamt 15 Kickertische wurden von verschiedenen Jugend- und Kultureinrichtungen zur Verfügung gestellt und mit einem LKW aus den lokalen Jugendzentren ins Stadtzentrum gebracht.

Insgesamt meldeten sich 29 Teams an und es wurde stundenlang gekickert. Die ca. 200 Teilnehmer_innen wurden durch ein kulturelles Programm von Djs und Hip Hop Künstlern begleitet. In einem spannenden Finale hat das Team „Nordafrika“ den ersten Platz gemacht. Ein Kickertisch konnte an eine Asylunterkunft in Glauchau gespendet werden. Die Einnahmen gingen an ein lokales Projekt, das sich traumatisierten Kindern und Jugendlichen widmet.

Mit der Veranstaltung wurde eine Möglichkeit geboten, in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. In inhaltlichen Beiträgen und an Info-Ständen wurde auf die menschenunwürdige Situation von Flüchtlingen, auf das tödliche europäische Grenzregime und den Rassismus, der den Geflüchteten zum Beispiel als PEGIDA/Cegida entgegen schlägt, aufmerksam gemacht. Das Netzwerk Flucht und Migration unterstützt die aktuellen Kämpfe von Refugees für Bleiberecht und ein menschenwürdiges Leben nach dem Motto „Kein Mensch ist illegal“.

Nachbarschaftsgarten Zietenaugust

Freie Presse, Chemnitzer Zeitung vom 17.08.2015
Freie Presse, Chemnitzer Zeitung vom 17.08.2015

Dank der Förderung durch JUST hatten wir die Möglichkeit, das Projekt für alle Helfer*innen geldfrei zu gestalten. Das heißt, wir konnten sämtliche Materialien wie Nägel, Erde und Beleuchtung sowie die Verpflegung bei unserer Gartenaktion bezahlen. Das neue Herzstück des Gartens ist allerdings unser Strand – der einzige weit und breit auf dem Sonnenberg!

Gemeinsam mit ganz verschiedenen Personen sind wir dafür im Sommer zusammengekommen, um den Strand anzulegen, dabei hat uns schönerweise auch ganz ohne Sprache ein syrischer Geflüchteter unterstützt. Darüber hinaus konnten die ersten Tomaten gepflückt werden und auch für die Kräuterspirale steht alles bereit.

Bei unserer Einweihung war die Freie Presse dabei und hat auch über uns berichtet. Außerdem kamen trotz Regenwetters ganz viele Menschen aus der Nachbarschaft – der Jüngste war 4 Monate alt und die Älteste schon über 70. Zudem wurde eine Kooperation mit foodsharing Chemnitz gestartet, sodass nun alle Anwohner*innen die Möglichkeit haben, Lebensmittel durch den Fair-Teiler abzugeben und zu nehmen, was auch rege genutzt wird.

Im Winter lag der Garten neben dem Wetter wegen anhaltenden Baumaßnahmen still. Allerdings sollten diese kommenden März beendet sein, sodass wir unsere neuen Projekte beginnen können: eine Komposttoilette bauen und einen Ofen anlegen. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr auf die nächste Gartensaison!

Kunstfestival ArschKreativ 2015

Logo des Kunstfestivals ArschKreativ

Es ist warm unten im Lesecafé Odradek- mal laut, mal still finden Klänge ihre Wege in die Herzen von Menschen, die lachend, lauschend und trinkend den Abend genießen. Kunst, Kultur und Beisammensein mit anderen prägt die Stimmung und wie ein guter Tee oder ein warmes Lächeln legt sich dieses Wochenende wohltuend auf die Gemüter. Und das Anfang November!

Das Arschkreativ Kunstfestival fand zum ersten Mal nicht im AJZ Chemnitz statt und es brachte neue Möglichkeiten, jedoch ebenso neue Hürden mit sich. Angefangen mit der Raumfrage für die vierte Ausgabe des Kunstfestivals. Wo könnte man so eins veranstalten und vor allem – wo ist's am günstigsten? Im Kompott an der Leipziger Straße haben wir letztendlich einen Platz gefunden- für die Ausstellung nun mehr Platz, für die Bands... na gut. Aber wie sich herausstellte, sollte das kein Hindernis sein - ganz im Gegenteil. Unser Bandbeauftragter Herr Neubert organisierte Bands und Liedermacher mit Charme und Talent – sogar international mit Orion Walsh aus Nebraska. Und unser HipHop Act, der noch mehr Vielfalt in die musikalische Gestaltung brachte.

Auch die Kunstausstellung lief gut- Künstler meldeten sich oder ließen sich finden. Zwar lief die die Ausräumung der Sperrmüll Zimmer etwas verzögert, aber, wie man sehen konnte- mit Fleiß und Liebe richteten unsere 'Galeristen' mit Helfern die Ausstellung ein- und nebenbei fanden sich in all dem Krempel sogar noch Rahmen, die wir für die Bilder verwenden konnten. Und auch unsere Hauptausstellung unter dem Thema 'Kunst kennt keine Grenzen' kam gut an. Durch den Fotografen Michael Allmaier eröffneten wir unseren Besuchern den Blick hinter den Gesichtern der Menschen, die zu uns kommen. Und mit dem 'ich packe meinen Koffer' durfte sich jeder mal kurz in die Situation eines Flüchtlinges denken und sehen, dass es nicht einfach ist, seine Heimat zu verlassen- vor allem wenn man kaum was mitnehmen kann.

Am Samstag eröffnete auch der Kreativworkshop seine Türen und bot mit Farben, Kohle, Papier und Stiften sowie Pinseln, Henna und Filz eine Spanne an Möglichkeiten, sich selbst kreativ zu verausgaben. Auch der Theaterworkshop kam gut an- auch wenn am Anfang etwas schüchtern, starteten Turmbau 62 mit den Teilnehmern ein paar Minuten später einen Lachmarathon von einer halben Stunde, der im ganzen Haus zu hören war- schauspielerische Verausgabung nennt man das.

Der Fotoworkshop fand wieder viele Begeisterte Teilnehmer, und nach den Workshops gabs erstmal eine Stärkung an der Bar – eine leckere Kürbissuppe oder Geistermuffins zum Beispiel, passend zu Halloween. Die Bar wurde von Leuten vom Odradek und von uns gemeinsam betrieben, hier gab es kaum Probleme. Nur der versprochene Techniker tauchte nicht auf, doch mit etwas Improvisation konnten wir auch dieses Problem überwinden, sodass die Besucher von all dem Stress, den wir uns gemacht hatten, nichts mitbekamen (z.B. dem doch nicht verlorenen Handy oder der Aufbau der Ausstellung bis auf die letzte Minute) und ein schönes Wochenende genießen konnten.

Wir erhielten Meinungen, dass es etwas unübersichtlich war- schöner sei es im AJZ gewesen, wo alles auf einer Ebene war. Bedauert wurde diese Einzigartigkeit, die sich im Kompott verändert hatte. Doch Meinungen sind verschieden, und so erhielten wir vor allem positives Feedback- es wurde die Wärme und die Freundlichkeit, das Beisammensein und die aufmerksamen Musikfanatiker (von seitens der Bands) gelobt.

Und trotz all der Hindernisse, die wir bewältigen mussten, haben wir es wieder einmal geschafft, Menschen zusammen zu bringen- mit Hilfe der Kunst. Und wir selbst? Konnten das Festival auch genießen, was den Stress einfach wett macht. Und auch die Bestätigung, dass man mit finanzieller Hilfe und Liebe zur Hingabe & Kunst ein Festival organisieren kann, welches einfach Spaß macht. Und all das lässt uns weitermachen: Wir freuen uns schon auf das fünfte Arschkreativ- wo? Ist noch geheim. Wann? Im Frühling.

Und dann heißt es wieder: ...Kunst, Kultur und Beisammensein mit anderen prägt die Stimmung und wie ein guter Tee oder ein warmes Lächeln legt sich dieses Wochenende wohltuend auf die Gemüter ...

Aktions- und Deeskalationstraining

Am 28. August haben wir ein Deeskalationtraining im AJZ Chemnitz durchgeführt. Dazu haben wir uns zwei Trainer eingeladen. An dem Training haben 19 Personen teilgenommen.

Zu Beginn des Trainings wurden von allen Erwartungen und Wünsche geäußert und gesammelt, sowie der Tagesablauf festgelegt. Zum Auflockern begannen wir mit einem Kennenlernspiel. Dann haben wir erstmal über Konflikte geredet . Wie sie entstehen, wie man sich dabei fühlt und wo und wann sie auftreten können. Anschließend konnten wir praktisch üben.

Die Trainer haben mögliche Szenarien vorgegeben z.B.auf Demonstrationen aber auch im Alltag, in denen es oft zu Streit kommt. Diese konnten wir dann Nachspielen und versuchen sie selbst zu lösen. Danach gaben die Trainer Tipps wie es eventuell besser gehen könnte bzw. nicht zu Auseinandersetzungen kommt. Im Mittelpunkt stand immer die Gewaltprävention.

Anschließend haben wir über Selbstbeherrschung und Provokation gesprochen. Die Trainer haben uns Strategien gezeigt, mit denen man sich selbst in Stress- und Konfliktsituationen besser beherrschen kann im Anschluss haben wir auch diese praktisch erprobt.

Nach der Mittagspause haben wir darüber hinaus gezeigt bekommen, wie man mit Situationen umgeht, in denen andere Menschen einen Streit haben und man selbst schlichten will. Wir haben uns damit auseinander gesetzt, wann man sich in solche Situationen einmischen sollte und wann nicht und natürlich auch wie. Auch das haben wir an einigen Beispielen durchgeprobt.

Zum Abschluss haben wir uns alle zusammengesetzt und das Training ausgewertet. Allen Teilnehmern hat das Training gut gefallen. Wir haben alle etwas für uns aus dem Training mitnehmen können und viel neues gelernt. Den Trainern hat der Tag mit uns natürlich auch Spaß gemacht. Sie haben uns zum Abschluss noch ein paar Tipps gegeben, wo man sich weiter zu diesem Thema informieren und weiterbilden kann.

Theaterprojekt Turmbau62

Freie Presse, Chemnitzer Zeitung vom 18.01.2016

Turmbau62 ist ein Studierenden-Theaterprojekt, das im November 2014 entstanden und im April 2015 zum ersten Mal auf die Bühne gewandert ist. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit dem Schauspielhaus, das 2015 einen Aufführungsort zur Verfügung stellt.

Seit Juni 2015 arbeitete Turmbau62 am zweiten Theaterstück "Dionysos kommt", das im Dezember 2015 auf die Bühne kommen sollte. Da das Schauspielhaus 2015 keinen Platz für die Aufführungen besaß, wurde die Bühne des Theater Komplex auf dem Sonnenberg in Chemnitz gebucht. Hier konnten Proben stattfinden sowie am 09. und 10.12. zwei Vorstellungen des Theaterstücks.

18 DarstellerInnen standen letztlich auf der Bühne. Das Team von Turmbau62 komplettieren ein Regieteam, zwei Techniker, zwei Maskenbildnerinnen und 4 Kostümbildner - alles auf freiwilliger Basis. Durch das Fördergeld von 500 Euro konnte sich Turmbau62 in das Theater Komplex einmieten sowie einige Kostüme kaufen, um das Theaterstück professionell zu gestalten.

Im Januar 2016 war "Dionysos kommt" auch im Schauspielhaus Chemnitz sowie im alten Heizhaus der Universität Chemnitz zu sehen.
Ab April 2016 wird sich eine neue Gruppe aus Studierenden formieren, die Lust auf junges, neues, alternatives Theaterspielen hat.